Archiv für März 2014

Tierbefreiung goes Blockupy – Tierbefreiungsproteste ausweiten, bei Blockupy mitkämpfen

Rückblick auf Blockupy 2013 und Aufruf zu den Mai-Aktionstagen (Aktionen gegen die Fleischindustrie) und zu den Herbst-Aktionstagen

Viel wird beim Kampf um eine befriedete und solidarische Gesellschaft, in der sich Menschen und Tiere frei entwickeln und frei leben können, davon abhängen, inwieweit die Freiheit von Menschen und Tieren als miteinander verbunden erkannt wird. Nicht weniger wird Voraussetzung sein, dass Menschen ein Bedürfnis entwickeln, die gegenwärtigen repressiven Verhältnisse zu überwinden, und bereit sind, diese Überwindung in der alltäglichen und politischen Praxis zusammen mit anderen emanzipatorischen Kräften zu erkämpfen. Die Blockupy-Proteste gegen Kapitalismus, Ausbeutung, Ausgrenzung und Verelendung halten ein Potenzial bereit, sich in den gemeinsamen Kampf einzubringen und die Fremd- und Selbstverengung der Tierbefreiungsidee und -praxis aufzuheben. Das Bündnis Tierbefreiung goes Blockupy ruft insofern auf, sich auch 2014 bei Blockupy zu engagieren und dieses Potenzial zu nutzen.

Bereits bei den ersten Blockupy-Protesten in Frankfurt 2012 beteiligten sich Aktivist_innen aus der Tierbefreiungsbewegung an den gegen das kapitalistische Krisenregime gerichteten Aktionen.[1] In den vergangenen Jahren hat dieses die Ausbeutung, Not und Zerstörung von Menschen, Tieren und der Natur intensiviert und die gesellschaftlichen Verhältnisse mit aller Härte gegen grundlegende Veränderungen verteidigt. Deutschland gilt als maßgeblicher Krisenprofiteur und Unterstützer der desaströsen Troika-Politik. Die Troika bildet neben der EU-Kommission und dem IWF (Internationaler Währungsfond) die EZB (Europäische Zentralbank ) in Frankfurt am Main. Frankfurt wurde somit zu einem zentralen Protestort. Im Rahmen der Proteste waren auch Tierbefreier_innen 2012 und 2013 präsent, 2012 aufgrund der kompletten Verhinderung der Zeltmöglichkeiten in der Frankfurter Innenstadt noch ohne informativen Barrio. Sie verteilten einen Flyer, der die Zusammenhänge von Tierausbeutung und Kapitalismus verdeutlicht [2] und waren durch einen eigenen Block auf den Demonstrationen und auch an anderen Stellen durch Aktionen und Transpis mit Tierbefreiungszusammenhängen sichtbar sowie an den kreativ-ungehorsamen Protestaktionen beteiligt. 2013 wurde auch über ein Go-in bei der Air France-Zentrale in Frankfurt gegen deren Versuchstier-Transporte berichtet. Außerdem wurde auf beiden Demozügen ein dem Aphorismus Der Wolkenkratzer von Horkheimer nachgestelltes, gebautes Modell mitgeführt und vor Frankfurts Skyline gestellt ein Modell, das die Klassengesellschaft zeigt mit den Kapitalist_innen in der obersten Etage und den menschlichen Kulis und den versklavten Tieren im Keller des Gesellschaftsbaus.[3]

Demo gegen den Transport von ‚Versuchs‘tieren durch Air France-KLM am 30.03.2014

Die Kund­ge­bung fin­det am 30.​03.​2014 von 13 bis 15 Uhr im Ham­bur­ger Flug­ha­fen statt. Die Veranstaltung bei Facebook.

China Southern Airlines hat den Ausstieg aus dem Transport sog. Versuchstiere bekanntgegeben.
Proteste sind somit nicht nur notwendig, sondern auch erfolgreich. Gemeinsam werden wir auch Air France-KLM dazu bringen, diesen Geschäftsbereich einzustellen. Denn wir geben alles, nur nicht auf!

Die Kundgebungszeit ist etwas früher, damit sich alle, die zu den späteren Zeiten wegen anderer Termine oder Verpflichtungen nicht kommen können, beteiligen können. Treffpunkt ist wie immer im Terminal 1, Ebene 1, in der Nähe der Rolltreppe zum Gastrobereich.

Am Tag darauf (31.03.) organisiert Tierbefreiung Hamburg von 14 – 16 Uhr eine Aktion vor dem Air France Cargo Office in Norderstedt, mobilisiert mal bitte was die Tasten hergeben.

Bundesweite Antirepressionsdemo am 22. März in Berlin!

REP_DEMO

Für den 22. März rufen viele ver­schie­de­ne Grup­pen und Ein­zel­per­so­nen zum Ak­ti­ons­tag gegen Über­wa­chung, Kon­trol­le, Aus­gren­zung und alle an­de­ren For­men von Re­pres­si­on auf.

Wir teilen an dieser Stelle den Aufruf der Ak­ti­vis­t_in­nen der Wiet­ze/n Kam­pa­gne, da wir der Meinung sind, dass er nicht nur sehr gut geschrieben ist, sondern das Thema auch treffend auf den Punkt bringt. Das Original ist auf ihrem blog zu finden.

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„Aufruf zur Beteiligung an der Bundesweiten Antirepressionsdemo am 22. März in Berlin

Wie alle an­de­ren so­zia­len Be­we­gun­gen die Herr­schafts­ver­hält­nisse und Aus­beu­tungs­struk­tu­ren hin­ter­fra­gen und sich ihnen in den Weg stel­len, sieht sich auch die Tier­be­frei­ungs­be­we­gung immer wie­der mit Maß­nah­men der Re­pres­si­ons­be­hör­den konfrontiert. Dass Teile der Be­we­gung den herr­schen­den ein Dorn im Auge sind, liegt neben der Pra­xis, an der ra­di­ka­len Kri­tik an dem herr­schaft­li­chen Mensch – Tier Ver­hält­nis, wel­che konsequenterwei­se nicht vor Un­ter­drü­ckungs­for­men zwi­schen Men­schen stehen blei­ben kann und die ka­pi­ta­lis­ti­sche Ord­nung, die diese Verhält­nis­se zu­spit­zen, mit­ein­be­zie­hen muss. In der Praxis tritt die Tier­be­frei­ungs­be­we­gung durch Blo­cka­den von Schlacht­fa­bri­ken, Kam­pa­gnen gegen die Pel­z­in­dus­trie und den „Ver­such­stier“ Handel, die Be­frei­ung von Tie­ren aus Nerz­far­men, La­bo­ren und Mast­an­la­gen, Brand­an­schlä­ge und an­de­re Sa­bo­ta­ge­ak­tio­nen gegen Tier­fa­bri­ken und Fleisch­trans­por­ter in Er­schei­nung. Mit dieser Pra­xis wird di­rekt in die Pro­duk­ti­on ein­ge­grif­fen und Eigentums­ver­hält­nis­se, gren­zen­lo­ses Wachs­tum und der Wa­ren­status von füh­len­den In­di­vi­du­en nicht nur in Frage ge­stellt son­dern auch di­rekt an­ge­grif­fen.

Vom 22. März 2012 bis No­vem­ber 2013 konn­te der LKA Spit­zel Ralf Gross die Wiet­ze/n Kam­pa­gne und an­de­re Zu­sam­men­hän­ge als ver­meint­li­cher Ak­ti­vist in­fil­trie­ren. Er lei­te­te In­for­ma­tio­nen und Daten über Ein­zel­per­so­nen, Grup­pen­struk­tu­ren und Ak­ti­ons­plä­nen von Blo­cka­de­ak­tio­nen – die da­durch von der Po­li­zei ver­hin­dert werden konn­ten – an Be­am­te des LKAs.[1] Das und sein Auf­tre­ten als Agent Pro­vo­ka­teur, zeigt mit wel­chen Mit­tel nie­der­säch­si­sche Re­pres­si­ons­be­hör­den gegen Stö­rer_in­nen der herr­schen­den Ordnung vor­ge­hen.

In an­de­ren Tei­len der Welt sieht sich die Tier­be­frei­ungs­be­we­gung noch hef­ti­ge­rer Re­pres­si­on aus­ge­setzt – zwei Bei­spie­le:
In Groß­bri­tan­ni­en er­war­tet drei Tier­rechts-Ak­ti­vis­t_in­nen der „Black­mail3″ ein Pro­zess. Wie schon vie­len vor ihnen, wird ihnen Ver­schwö­rung zur Er­pres­sung des Tier­ver­suchs­un­ter­neh­mens Hun­ting­don Life Sci­en­ces (HLS) vor­ge­wor­fen. Debbie, Na­ta­sha und Sven, wur­den be­reits im Som­mer 2012 ver­haf­tet. Seit Fe­bru­ar steht Debbie, als erste der „Black­mail3“, vor Ge­richt. Bei einer Verur­tei­lung sind Stra­fen bis zu 14 Jahre Haft mög­lich. In der Vergan­gen­heit wur­den be­reits ei­ni­ge Ak­ti­vis­t_in­nen auf­grund dessel­ben Vor­wurfs zu mehr­jäh­ri­gen Haft­stra­fen ver­ur­teilt.[2]
In den USA wurde im Ja­nu­ar 2014 der Tier­be­frei­ungs­ak­ti­vist Kevin Ol­liff zu einer Ge­fäng­nis­stra­fe von 30 Mo­na­ten für Be­sitz von Werkzeug mit dem er eine Fuchs­farm hätte über­fal­len kön­nen, ver­ur­teilt. Kevin ist damit zum Opfer sym­bo­li­scher Re­pres­si­on der US-Po­li­tik gegen die Tier­be­frei­ungs­be­we­gung ge­wor­den. Da im zwei­ten Halb­jahr 2013 aus 10 Pelz­far­men von der Ani­mal Li­be­ration Front (ALF) tau­sen­de Tiere be­freit wur­den und nie ein_e poten­ti­el­le Tä­ter_in ge­fasst wurde, brauch­te die US-Re­gie­rung einen Sünden­bock um die Pel­z­in­dus­trie zu be­ru­hi­gen. Die Wahl fiel wohl auf Kevin, weil er als Tier­rechts­ak­tivst durch ver­gan­ge­ne Aktio­nen und er­folg­rei­che Kam­pa­gnen be­reits be­kannt war und schon ein­mal 18 Mo­na­te ein­saß.

Wenn wir es ernst mei­nen mit dem Kampf für eine ra­di­kal be­frei­te Ge­sell­schaft müs­sen wir ler­nen uns den Ge­gen­an­grif­fen von Seiten der Re­pres­si­ons­or­ga­ne zur er­weh­ren. Wir soll­ten uns immer wie­der mit die­ser Frage kon­fron­tie­ren ohne dabei unser Leben und un­se­re Kämp­fe zu ver­ges­sen. Die Ant­wort wird je nach Si­tua­ti­on und Aus­druck der Re­pres­si­on neu zu suchen sein. Eins lässt sich mit hoher Wahr­schein­lich­keit sagen, wenn wir die vie­len Kämp­fe für eine be­frei­te Ge­sell­schaft wei­ter­hin iso­liert von einander be­trach­ten und uns der Re­pres­si­on nicht ge­mein­sam in den Weg stel­len, wird es ihnen leich­ter fal­len diese Kämp­fe ein­zeln zu zer­schla­gen.

Tragt eure Wut über die be­ste­hen­den Ver­hält­nis­se und die all­tägliche Re­pres­si­on auf die Stra­ße – nicht nur am 22. März in Berlin!

Schließt euch zu­sam­men und seid krea­tiv!

Frei­heit für Alle!

Gegen Kä­fi­ge und Knäs­te! Für eine ra­di­kal be­frei­te Ge­sell­schaft!“

Hier bekommt ihr mehr In­for­ma­tio­nen zur An­ti­re­pres­si­ons­de­mo:

[1] Sup­port the black­mail3.

[2] Wei­te­re Infos zum Fall Kevin John­son (Ol­liff), des­sen Ver­ur­tei­lung und Ge­schich­te fin­det ihr hier.

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*Originalgrafik: http://antirep2014.noblogs.org/files/2014/03/6843401653.preview.jpg