Archiv für April 2015

Statement zur Diskussionsrunde „Veganismus – Alles Life$tyle oder was?“ am 08. April 2015

noveganazi

Am 08.04. haben wir im Rahmen der 11. BraVoKü eine Diskussionsrunde mit dem Thema „Veganismus – Alles Life$tyle oder was?“ veranstaltet. Leider wurde die Veranstaltung beendet, obwohl noch sehr viel Gesprächsbedarf vorhanden war. Deshalb möchten wir uns gerne noch einmal hier dazu äußern.

Zwei Standpunkte standen dabei im Mittelpunkt der Diskussion:

1. Dass auf Tierrechts-Demos jede*r Mensch, egal welche Ideologien er*sie vertritt, willkommen sei, solange es um die Tiere geht.

2. Dass es keine Rolle spiele, aus welchem Grund mensch vegan lebe, solange er*sie keine tierischen Produkte konsumiert.

Wir haben uns auf der BraVokÜ bereits zu der einen oder anderen Aussage klar positioniert, konnten jedoch aufgrund des vorzeitigen Abbruchs nicht zu allen Themen Stellung nehmen und möchten deshalb dies an dieser Stelle nachholen und auch diejenigen erreichen, die an diesem Abend nicht anwesend waren.

Zu Punkt 1:

Es war eine sehr kontroverse und angeregte Diskussion, die bei einem Bild, das zwei Neonazis abbildet, die eine vegane online Kochshow präsentieren, entstanden ist. Einige Besucher*innen vertraten dabei die Ansicht, dass es nicht bedenklich sei, wenn Demoteilnehmer*innen menschenverachtende Ideologien wie Rassismus, Faschismus, Sexismus oder Homophobie vertreten, solange sie sie in diesem Moment (auf der Demo/Kundgebung) nicht öffentlich kundtun, sondern nur für die Tiere einstehen.

Wir distanzieren uns ganz klar von dieser Meinung. Die vegane Szene wächst seit Jahren, allerdings versuchen Menschen – in diesem Fall Neonazis – die vegane Idee für ihre Zwecke zu instrumentalisieren und dabei ihren Menschenhass zu verbreiten, um eine Akzeptanz bei Menschen zu erreichen, die dem Veganismus offen gegenüber stehen. Wir finden es zwar positiv, dass immer mehr Menschen vegan leben und somit Tierausbeutungsformen nicht unterstützen. Gleichzeitig finden wir es sehr bedenklich und kämpfen dagegen, dass menschenverachtendes Gedankengut und rechte Tendenzen in der veganen Community bzw. in der Tierbefreiungsbewegung Fuß fassen wollen.

Was wir von Animal Liberation Network anstreben ist eine Befreiung von Mensch und Tier. Das bedeutet nicht nur die Ausbeutung, Nutzung und Ermordung von Tieren abzuschaffen, sondern auch die Ausbeutung von Menschen abzuschaffen und menschenverachtende Ideologien zu überwinden. Für uns kann die Befreiung der einen nicht ohne die Befreiung der anderen stattfinden, andernfalls haben wir wenig gewonnen. Wie wir während der Diskussionsrunde schon gesagt haben, sollten wir uns fragen, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Was bringt es, wenn 81 Millionen Menschen in Deutschland vegan leben, aber 50% davon in Ihrer Freizeit andere Menschen diskriminieren oder aufgrund ihrer Sexualität und/oder Hautfarbe/Herkunft verspotten, verprügeln und ihren Hass streuen ?

Ist dies wirklich eine anstrebenswerte Gesellschaft? Wir sagen ganz klar: Nein!

Auch das versuchte Gleichstellen von sogenannten „Linksextremen“ und Rechtsextremen ist in unseren Augen ein falscher Ansatz und ein sehr gefährlicher zugleich. Eine Gleichsetzung der Verbreitung und Verteidigung von rechten Ideologien, welche die Grundlage für menschenfeindliche und menschenverachtende Hetze und Handlungen ist, mit denjenigen Ansichten und Menschen, welche für ein gleichwertiges und gleichberechtigtes Miteinander stehen, möchten und können wir nicht tolerieren. Gerade in Zeiten von AfD, Pegida, Hogesa etc. mit immer öfter stattfindenden rassistischen Übergriffen auf Flüchtlingen und Andersdenkenden, finden wir es ganz wichtig, eine klare Positionierung einzunehmen und keinen Rassismus, Faschismus und andere menschenverachtende Ideologien zu dulden.

Diese Ansichten zu unterschätzen/zu tolerieren bedeutet eine Gleichgültigkeit gegenüber diesen Ideologien und führt zu deren Akzeptanz und ist nichts anderes als ein Schlag ins Gesicht für alle Opfer, die einmal oder täglich diesen Menschenhass spüren mussten.

Wir sagen ganz klar NEIN! zu menschenverachtenden Ideologien in allen sozialen Bewegungen, in diesem Fall in der veganen Szene, Tierschutzbewegung sowie in der Tierbefreiungsbewegung!

RASSISMUS/FASCHISMUS IST KEINE MEINUNG!

RASSISMUS/FASCHISMUS TÖTET!

> Ein empfehlenswerter Artikel dazu.

Zu Punkt 2:

Immer mehr Menschen leben vegan und niemals war es so einfach, sich vegan zu ernähren. Heutzutage spielen dabei oftmals Gründe wie Gesundheit, Nachhaltigkeit, Fitness und/oder Selbstoptimierung eine entscheidende bzw. die einzige(!) Rolle.

Natürlich ist es einerseits eine positive Entwicklung für die Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung, wenn viele Menschen vegan leben und Veganismus immer öfter und breiter erwähnt wird und dadurch auch die Akzeptanz bei Nicht-Veganer*innen steigt. Doch geschieht dies nur, solange mensch die eigene vegane Lebensweise in einem Massen tauglichen und salonfähigen Rahmen lässt. Wird die Kritik umfassender und greift das System an, stößt mensch schnell auf Unverständnis und Ablehnung. Der Weg in Society Magazine und Koch-Shows klappt deshalb zum einen nur durch eine völlige Entpolitisierung und schlimmer noch: durch eine Abgrenzung von den vermeintlich „extremen“ und „radikalen“ Tierrechtsaktivist*innen. Und letzteres ist genau der Grund, warum auf Demos/Kundgebungen immer sehr wenige Menschen unterwegs sind, jedoch auf Veranstaltungen, bei denen sich die vegane Szene selbst feiert und es gutes Essen gibt, es niemals an Besucher*innen mangelt.

Nicht mehr klassischer politischer Aktivismus, sondern der eigene Konsum und die individuelle Lebensführung sollen die Welt verbessern und das Mensch-Tier-Verhältnis grundlegend ändern. Warum sehen wir das kritisch?

Das Problem dabei: Die Konsument*innen überschätzen ihre Macht und spielen den großen Konzernen und Produzent*innen, die maßgeblich für die Ausbeutung von Mensch und Tier verantwortlich sind, in die Karten, statt das System in Frage zu stellen, das es überhaupt zulässt, dass Tiere und Menschen ausgebeutet werden (können). Forderungen werden nicht mehr an diejenigen gestellt, die für das Töten von Tieren verantwortlich sind, sondern nur noch an sich selbst. „Lebe vegan und du veränderst die Welt.“

Doch das kann nicht klappen, solange wir in einem kapitalistischen System leben, in dem Macht und Profit die Taktgeber sind. Ausbeutung von Mensch und Tier ist hier die logische Konsequenz, denn um den Profit zu maximieren, müssen die Kosten minimiert werden, was i.d.R. nur so erreicht werden kann.

Aus dem Publikum kam dazu ein interessanter Gedanke, den wir an dieser Stelle wiederholen und unterstützen möchten und der aufzeigt, weshalb es aus unserer Sicht problematisch ist, wenn nicht mehr die Tiere, sondern Gesundheit und Selbstoptimierung ausschlaggebend für eine vegane Ernährung sind: Angenommen 80% der Menschen leben aus gesundheitlichen Gründen vegan und es wird ein Fleischprodukt entwickelt, dass so gesund für den Menschen ist, dass es nicht mehr notwendig ist, sich vegan zu ernähren. Vermutlich würden diese Menschen, da es nicht vordergründig um die Tiere geht, wieder Fleisch essen und es würden wieder mehr Tiere getötet.

Wir sind uns bewusst, das dies nur ein Gedankenspiel ist und so wahrscheinlich nicht passieren wird, doch es zeigt deutlich, dass diese Motivationen lediglich temporär und leicht austauschbar(!) sind.

Es zeigt auch, warum wir die Tiere nicht vergessen dürfen und warum es so enorm wichtig ist, immer wieder daran zu erinnern, was tagtäglich in den Mast- und Schlachtbetrieben geschieht und das wir unseren Protest und unsere Forderungen weg vom Teller wieder an diejenigen richten müssen, die ihr Geld damit verdienen, Menschen und Tiere auszubeuten.

Wer also wirklich langfristig etwas an dieser Gesellschaft ändern möchte, schafft dies unserer Meinung nach nicht nur durch den eigenen Konsum, sondern kommt nicht umhin diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die für die Missstände verantwortlich sind und davon profitieren, indem er*sie sich aktiv im Rahmen seiner*ihrer Möglichkeiten engagiert. Warum das unseres Erachtens notwendig ist, zeigt das Beispiel des Beagle Züchters „Green Hill“ in Italien, das Beagles gezüchtet und in Tierversuchslabore auf der ganzen Welt transportiert hat. Nach jahrelangem Protest und einer offenen Befreiung nach einer Großdemonstration wurde dieser Zuchtbetrieb geschlossen (Mehr Infos).

> Ein empfehlenswerter Artikel dazu.

Animal Liberation – Human Liberation!

Für die Befreiung von Mensch und Tier!

ANIMAL LIBERATION NETWORK